Was tun, wenn die Alopecia auch die Augenbrauen verschwinden lässt?

„Pay with a Smile“ – Endlich wieder schöne Augenbrauen durch Microblading

Plötzlich war es soweit. Die Alopecia ist vor einigen Monaten auch auf meine Augenbrauen übergegangen. Nicht auf einmal, aber nach und nach. In einem Zeitraum von 3 Monaten sah mein Gesicht dann nicht mehr komplett aus.

Mir war bewusst, dass uns die Augenbrauen – zusammen mit den Wimpern – vor Schweiß, Nässe, Staub oder anderen Fremdkörpern schützen, aber ich hätte nie gedacht, dass sie auch einen so großen Effekt auf unsere Mimik haben.

Der Ausdruck in meinem Gesicht „verblasste“

Egal ob beim Sprechen oder bei nonverbaler Kommunikation. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar daran, aber es fehlt einfach etwas. Das Gesicht wirkt nicht mehr komplett.

So versuchte ich in manchen Situationen meine Augenbrauen nachzuzeichnen. Das fiel mir nicht besonders schwer, aber es war oft nicht von langer Dauer. Auch wenn eigentlich alle Augenbrauenstifte mit dem Hinweis „wasserfest“ versehen sind, so verschmieren sie dennoch, sobald sie Schweiß oder Wasser ausgesetzt sind. „Extrem guter Halt!“ Fehlanzeige. Eventuell hält es besser, wenn man es lediglich als Verstärkung nutzt und auf die Härchen aufträgt. Bei mir war aber nur noch babyglatte Haut auf die ich zeichnen konnte. Das war dem Augenbrauenstift wohl zu wenig.

Außerdem bin ich generell kein Mensch, der sich viel schminkt und deshalb empfand ich es immer als sehr störend, sich jedes Mal einen Kopf darum zu machen, wie die Augenbrauen wohl gerade aussehen.

Der schlimmste Moment war für mich, als ich in einem spöttischen Ton darauf angesprochen wurde, ob ich denn zu nah ans Feuer gekommen sei und meine Augenbrauen verkokelt hätte. Dieser Moment hat mir mal wieder gezeigt, dass die Krankheit immer noch zu unbekannt ist. Dass manche Menschen so einen abwertenden Spruch von sich geben, ohne groß darüber nachzudenken, wie es das Gegenüber verletzen kann. Das Ausmaß war demjenigen sicher nicht klar und bestimmt steckte auch keine böse Absicht dahinter. Doch es war ein weiterer Auslöser dafür, eine Lösung für mein „verkokelte Augenbrauen“-Problem zu finden.

Die Lösung: kostenloses Microblading durch „Pay with a Smile“

Also recherchierte ich im Internet und stoß auf das Non-Profit-Programm „Pay with a Smile„. Dieses gemeinnützige Programm bietet Männern und Frauen, die ihre Augenbrauen aufgrund einer Chemotherapie, Alopezie oder Verbrennung verloren haben, ein kostenloses Microblading an. Ich suchte also nach einer Option in meiner Nähe und stoß dabei auf nasylashes in Wiesbaden. Najia, die Besitzerin des Ladens war am Telefon schon extrem freundlich. Sie bietet diesen Service einer begrenzten Anzahl an Kunden pro Monat an. Und ich war sehr glücklich, dass Sie mich nicht abgewiesen, sondern mir direkt einen Termin ein paar Tage später anbot.

Aber was genau ist Microblading überhaupt?

Im Prinzip ist es eine moderne Abwandlung des Permanent-Make-ups, die schon vor 20 Jahren im asiatischen Raum praktiziert wurde. Dabei werden Farbpigmente mithilfe von vielen kleinen Nadeln (Blades) per Hand in die oberste Hautschicht (Epidermis) eingearbeitet, um dessen Form und Fülle dauerhaft zu perfektionieren bzw. wieder herzustellen.

Bei Menschen, die keine Augenbrauen mehr haben wird zuerst der Goldene Schnitt ausgemessen und die Augenbrauenform aufgezeichnet. Dies sieht am Anfang etwa 20% dicker aus als das finale Ergebnis.

Najia ist eine erfahrene und professionelle Stylistin, die sich nur auf Augenbrauen und Wimpern spezialisiert hat und ihr Handwerk absolut beherrscht. Ich habe mich vom ersten Moment an total wohlgefühlt.

Die Behandlung ist durch die vielen kleinen Nadeln ein wenig schmerzhaft, aber Najia hat dafür gesorgt, dass es dennoch angenehme 2 Stunden waren. Sie hat extrem hygienisch, sauber und feinfühlig gearbeitet und auf das natürliche Endergebnis, das mir besonders wichtig war, ebenfalls großen Wert gelegt.

Auf dem folgenden linken Bild sieht man meine lückenhafte Augenbrauen Partie vor der Behandlung. Das Bild rechts zeigt das Ergebnis unmittelbar nach dem Microblading. Die Haut wird währenddessen gereizt, weshalb weiße und rote Stellen um die Farbpigmentierung herum zu sehen sind.

Die Farbe ist am Anfang noch sehr stark. Ich hatte etwas Angst, dass es so dunkel bleiben wird und es mir nicht gefällt. Ich kann euch aber beruhigen, nach etwa einer Woche hat sich der Grind, der sich bildet abgelöst und somit auch die überschüssige Farbe.

In der ersten Woche habe ich die behandelten Stellen morgens und abends mit einer Vitamin E-Creme versorgt, was die Heilung beschleunigt. Außerdem darf in dieser Zeit kein Wasser auf diese Hautpassagen kommen, da sich die Farbe sonst ablösen kann. Es muss erst verheilt sein.

Durch die manuelle Anwendung sieht es am Ende täuschend echt aus.

Folgendes Bild zeigt das Ergebnis nach etwa 4 Wochen:

Es wird empfohlen, nach etwa 4 Wochen eine Nachbehandlung durchzuführen, um Kleinigkeiten auszubessern und die Farbe zu intensivieren. Generell hält das Microblading, je nach Regenerationsgeschwindigkeit und dem Fettgehalt der Haut, mindestens 9 Monate bis zwei Jahre.

Um einen Einblick in den Ablauf zu bekommen, wurde während der Behandlung ein Video gedreht:

Befreiender Blick in den Spiegel

Vor der Behandlung war ich beim Blick in den Spiegel trotz neuem Haarteil, dass die fehlenden Haare auf meinem Kopf kaschiert, traurig. Die fehlenden Augenbrauen ließen mich krank erscheinen und so wollte ich einfach nicht aussehen… Klar weiß ich, dass die Krankheit somit nicht weggezaubert ist und sie ist gedanklich auch immer noch im meinem Kopf – natürlich, aber wenn man mit diesem Fakt nicht jeden Tag im Spiegel konfrontiert wird, macht das psychisch schon sehr viel mit einem. Man sieht sich mit vollem Haar und schönen Augenbrauen. So, wie man es sich gewünscht hat. Man nimmt sich mit der Zeit viel mehr als gesunden und nicht als kranken Menschen wahr. Und das trägt sicherlich auch jede Menge zur Heilung bei! Vielen Dank an nasylashes, dass ihr so etwas möglich macht!

Ich bleibe optimistisch, dass die feinen Härchen, die weiter auf meinem Kopf an ein paar kleinen Stellen sprießen, auch an weiteren Stellen zurückkommen und ich irgendwann wieder der Lockenkopf von früher bin. 🤞 

Was meine Augenbrauen in Zukunft machen, pff, das ist mir aktuell wirklich enorm egal – ich hab ne super Lösung gefunden und finde sie aktuell fast schöner als vorher. Sollen sie doch weg bleiben – im Moment muss ich mich dahingehend um nichts kümmern, kein Zupfen, kein Nachziehen – was will Frau mehr? 😉 Im Endeffekt zählt doch nur was man aus dieser Krankheit macht und je positiver man den Verlust wahrnimmt, desto besser. Klingt vielleicht komisch, aber das ist meine Auffassung. Ändern kann ich’s grade sowieso nicht.

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