Ernährung bei MS – Worauf sollte wirklich Wert gelegt werden? Teil 1

Die Ernährung spielt neben der psychischen Einstellung und der Pflege seiner Seele bei der MS eine unglaublich wichtige Rolle. In meinen ersten Gesprächen mit Marc und seinen Patienten erfuhr ich, dass er all seinen MS-Patienten empfiehlt auf Kuhmilch, Weizen und Schweinefleisch zu verzichten. Die Gründe für einen Verzicht von Kuhmilchprodukten möchte ich euch in folgendem Beitrag näherbringen.

Kuhmilch kann MS-Symptome verstärken

Einige Patienten klagen nach dem Genuss von Kuhmilchprodukten von einer Verschlechterung der MS-Symptome. Grund das kann das Kuhmilch-Protein „Casein“ sein, das auch hauptverantwortlich dafür ist, dass manche Menschen eine Milchallergie entwickeln. Casein löst einer Studie nach eine nervenzellenschädigende Autoimmunreaktion aus. Forscher der Uni Bonn 20221 haben dies mithilfe von Mäusen herausgefunden.

Sie injizierten Mäusen verschiedene Proteine aus der Kuhmilch, um herauszufinden, ob es einen bestimmten Bestandteil gibt, auf den die Mäuse mit Krankheitssymptomen reagieren. Heraus kam, dass das Casein (der Protein-Anteil der Kuhmilch, der später zu Käse weiterverarbeitet werden kann) eine neurologische Störung hervorruft. Unter dem Elektronenmikroskop sah man, dass bei ihnen die Isolierschicht um die Nervenfasern geschädigt war. Also genau der Ablauf stattfindet, der der MS zugrunde liegt: zerstörte Myelinscheiden (die Ummantelung, die eigentlich die Nerven schützen sollte, normalerweise Kurzschlüsse verhindert und die Reiz-Weiterleitung beschleunigt).

„Als Grund vermuteten wir, ähnlich wie in MS-Kranken, eine fehlgeleitete Immunreaktion. Die körpereigene Abwehr attackiert eigentlich das Casein, zerstört dabei aber auch Proteine, die an der Bildung des Myelins beteiligt sind.“

Rittika Chunder, Hauptautorin der Studie

Kreuzreaktivität von Casein und dem Eiweis MAG

Das Casein ähnelt dem, für die Produktion von Myelin sehr wichtigem Eiweiß MAG (Myelin-assoziierte Glykoprotein, Membranprotein) sehr – so sehr, dass bei den Versuchstieren die Antikörper gegen Casein ebenfalls gegen MAG aktiv waren. Eine sogenannte Kreuzreaktivität – das Immunsytsem verwechselt diese dann quasi miteinander. Die körpereigene Abwehr richtet sich demnach also auch gegen das MAG, was die Myelinscheiden automatisch instabil macht. Gar nicht gut..

Marc sprach damals auch davon, dass MS-Patienten eine Allergie gegen Milchprodukte haben. Ich kannte bislang nur eine Laktose-Intoleranz, was mit unserem Thema aber überhaupt nichts zutun hat.

Vermutet wird aktuell, dass die Betroffenen irgendwann durch den Konsum von Milch eine Allergie gegen Casein entwickelt haben. Konsumieren sie also Milchprodukte, stellt das Immunsystem massenhaft Casein-Antikörper her. Diese schädigen aufgrund der genannten Kreuzreaktivität mit MAG auch die Myelinschicht um die Nervenfasern.

Es wurden anschließend Casein-Antikörper von Mäusen zu menschlichem Hirngewebe gegeben und beobachtet, dass sich diese an jene Zellen anreicherten, die im Gehirn für die Myelin-Produktion zuständig sind.

Für die Antikörperproduktion in unserem Körper sind bestimmte weiße Blutkörperchen zuständig, die B-Zellen. Die B-Zellen im Blut von Menschen mit MS sprechen der Studie nach besonders stark auf Casein an. Dieses spielt bei der Käseherstellung eine wichtige Rolle und ist vor allem in Quark, Joghurt, Sahne und Butter enthalten. Es befindet sich aber auch in Backwaren, Schokolade, Wein, Fleisch- und Wurstwaren.

Das erklärt auch, warum einige Studien zu der beunruhigenden Erkenntnis kamen, dass die MS-Zahlen in den Bevölkerungsgruppen, in denen viel Kuhmilch konsumiert wird, erhöht sind.
Man sollte jetzt keine Panik bekommen, dass jeder gesunde Mensch, der Kuhmilch konsumiert auch an MS erkranken wird – dem ist laut den Professoren nicht so, da es noch einige andere Risikofaktoren benötigt um eine MS auszulösen.

Generell reagieren 95 % aller Menschen empfindlich auf das Milcheiweiß Casein-A1 in der Kuhmilch

Nach dieser Erkenntnis habe ich für mich eindeutig entschieden, auf Kuhmilchprodukte zu verzichten. Ausweichen kann man auf Schafs- oder Ziegenmilch. Was mich doch schon sehr erleichtert hat.
Da Käse erwiesenermaßen süchtig machen kann, fiel mir der anfängliche Verzicht dessen wirklich am schwersten. Grund dafür ist der Morphineffekt des Stoffes Casomorphin. Er entsteht, wenn das Casein im Magen verdaut wird.

Auch heute noch, nachdem ich bereits ein Jahr meine Ernährung umgestellt habe, kommen natürlich auch ab und an schwache Momente über mich. Da ist eine Alternative und kein totaler Verzicht wirklich sehr hilfreich.
Ziegenmilch enthält viel wertvolles Protein, dessen Zusammensetzung anders als das der Kuhmilch ist. Das Casein -A1 kommt hier viel weniger bis überhaupt nicht vor und ist somit kaum allergen. Außerdem enthält es mehr essenzielle Aminosäuren (Threonin, Isoleucin, Lysin, Cystin, Tyrosin und Valin).

Generell versuche ich dennoch, auch die Ziegen- und Schafsmilch in meiner Ernährung nicht zum Hauptbestandteil zu machen. Marc ist mit seinen Patienten in den letzten Jahren aber sehr gut damit gefahren, diese Alternative getrost beizubehalten und keinen kompletten Verzicht auszusprechen. Seine Therapie schlug in der Vergangenheit immer an, was mich in der Annahme bestärkt, dass man sich ab und an mal was gönnen darf 🙂

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Infos

1 Die Studie wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS) unter dem Titel „Antibody cross-reactivity between casein and myelin-associated glycoprotein results in central nervous system demyelination“ veröffentlicht.