Einreise Marokko und erstes Reiseziel Chefchaouen – Ein blaues Willkommen in Marokko

Es ist wirklich soweit, es geht ab auf einen anderen Kontinent – mit unserem eigenen Auto – Afrika wir kommen! Unser nächstes aufregendes Reiseziel heiß Marokko. Wir haben die Fähre von Algeciras nach Ceouta zum Sonnenuntergang genommen. Ceouta ist eine spanische Exklave in Nordafrika, von der aus man über die Grenze nach Marokko einreisen kann.

abendlicher Blick von der Fähre auf Spanien

Der wohl freundlichste Grenzübergang

Um nach Marokko einreisen zu dürfen, geht es zuerst über den spanischen Zoll, bei dem alle irgendwie etwas strenger und ernst drein schauten. Nachdem wir dort unsere Reisepässe (die bei Einreise mindestens noch ein halbes Jahr gültig sein müssen) vorgezeigt hatten, durften wir weiter zum marokkanischen Zoll fahren. Wir reihten uns in eine Schlange von Autos ein. Es dauerte eine gute Weile bis wir an der Reihe waren. Schließlich gaben wir unsere Reisepässe auch dem marokkanischen Grenzbeamten. Der checkte die Daten und begann uns beim Vornamen zu nennen und sich total freundlich mit uns zu unterhalten. Ihn interessierte wo wir überall hinfahren möchten, was wir so machen und dass er Camping auch sehr gerne mag. Er sprach mich sogar auf meine „Haare“ an und sagte, dass er den Look cool findet. Zeigte dann auf Kerstens Haare und anschließend wieder auf mich. Wir lachten und ich antworte daraufhin, dass wir Frisur „geswitched“ haben, woraufhin er noch lauter lachte. Das war wohl der lustigste Grenzübertritt den ich jemals hatte. Er war so nett zu uns und meinte zum Abschluss „Welcome to Marocco – enjoy our country!“ – Shukran lieber Grenzbeamter! Dieses Wort wurde uns außerdem noch gelehrt – es bedeutet „danke“ auf arabisch. So eine Begrüßung und Offenheit gegenüber meiner Glatze hätte ich nun wirklich mit Abstand nicht erwartet.

Auf ins Landesinnere

Wir fuhren durch bergige Landschaft, größere und kleinere Dörfer weiter ins Landesinnere. An der Straßenseite winken uns immer wieder Kinder und Erwachsene, zeigen den Daumen nach oben und freuen sich über unseren Besuch – unglaublich wie gastfreundlich die Menschen hier sind und wie sehr sie sich wirklich über einen Besuch in ihrem Land freuen.

Blick aus dem Auto auf die Berge Marokkos

Man muss beim Fahren aber höllisch aufpassen, dass man nicht einen der Passanten mitnimmt, da irgendwie ständig Menschen über die Straße laufen oder nahe an der Straße spazieren. Das ist hier wohl so üblich. Auch wenn ein Fußgängerweg vorhanden ist, wird dieser nicht genutzt. Warum auch..

Auch Beladungsvorschriften werden hier wohl nicht ganz so ernst genommen..


Chefchaouen – das blaue Paradies

Angekommen in Chefchaouen besorgten wir uns zuerst einmal Internet in einem kleinen Kiosk. Simkarten bekommt man hier wirklich an jeder Ecke. Das Mädchen (ich schätze mal 14), das hinter der Kasse saß war sichtlich verlegen und wir verständigten uns mit Händen und Füßen und teilweise mit ihrem Handy Übersetzer, da sie nur die einheimische Sprache sprach, kein Englisch und nur ein bisschen Französisch. Schlussendlich klappte alles und wir bekamen für 200 Dirham, also umgerechnet 20€ 20 GB Datenvolumen. Das sollte fürs Erste genügen – Netflix o.ä. streamen ist ab jetzt natürlich nicht mehr drin.. 

Zuerst haben wir die richtige Altstadt überhaupt nicht gefunden und liefen durch die „neue Stadt“, die auch sehr schön ist, aber irgendwie wunderte es mich, denn ich hatte die Fotos, die ich bereits von diesem Ort gesehen hatte, anders in Erinnerung. Als wir schon gut eine halbe Stunde unterwegs waren und Leute uns bereits fragten was wir suchten und dass das hier die neue Stadt sei, fanden wir endlich den Eingang zur alten Stadt. Es war wirklich ein „Eingang“, denn ein großer Bogen inmitten einer Mauer wies den Eingang zur alten, blauen Stadt von Chefchaouen.

Dort war es dann wie ich es mir vorgestellt hatte, enge kleine verwinkelte Gassen und wirklich alle waren in Blau! Es war faszinierend und wunderschön. Überall waren kleine Läden, die Naturfarben, Postkarten, Gewürze, Gemälde, Naturkosmetik, klassische Gewänder, Schuhe und Souvenirs anboten. Oft kamen wir auch an Frauen vorbei, die ihre Kunst in der Henna Malerei anboten und kleine Mädchen und Frauen an den Händen verzierten. Außerdem viele Läden, die Gebäck, Fleisch und Gemüse anboten. 

Außerdem sind überall Katzen und Hunde unterwegs, die es sich in den Gassen gemütlich machen und dort nach Futter suchen.

Chefchaouen ist ganz und gar nicht westlich und doch sehr dörflich gehalten, deshalb wurde ich gleich an unserem ersten Tag in Marokko auf eine Geduldsprobe gestellt.

Verfolgt von Blicken

Ich glaube die Menschen dort, wo es üblich ist, dass die meisten Frauen ihre Haare mit einem Kopftuch bedecken, haben wirklich noch nie eine Frau mit Glatze gesehen. Denn wirklich jeder starrte mich an. Egal ob Mann, Frau, Teenie oder kleines Kind. Es war die erste Probe für mich in diesem Land und ich versuchte entspannt zu bleiben und mit Verständnis an diese Sache heranzugehen. Aber nach einem ganzen Tag voller neuer Eindrücke und Menschen war ich dann wirklich erledigt und konnte diese Blicke nicht mehr gut ertragen. 

Manche Leute blieben wirklich stehen und drehten sich noch minutenlang nach mir um. Sicher meinten sie es nicht böse, aber es war nun mal sehr anstrengend. Und ich merke, dass ich mir hier wirklich ein dickes Fell zulegen muss.

Einer der Männer – er sah eher westlich aus – sprach uns sogar an und meinte : „Oh are you a Skinhead? I heard of it! It‘s a new Trend no?“ und ich antwortete wirklich leicht gereizt und voller Unverständnis, wie man einfach so mit Wörtern um sich werfen kann, ohne jegliche Empathie „No, it‘s not. That my hair fell out was not a decisson by choice.“ Er lief uns noch ein paar Minuten hinterher, merkte dann aber wohl, dass wir wirklich nicht interessiert waren an weiteren Gesprächen..

Bei manchen erlebte ich aber auch gegenteilige Reaktionen und wirklich süße, positive Gesten, wie z.b. dem Grenzbeamten oder einem Ladenbesitzer, der über seine eigen Glatze strich, danach auf mich zeigte und sagte „you and me have same“ und mich breit anlächelte. Wir unterhielten uns noch etwas darüber, dass eine Glatze so schön pflegeleicht sei und er es einfach nur toll findet und jedem empfehlen würde. 😄

Seit wir aus Europa raus und auf einen neuen Kontinent gefahren sind, habe ich noch mehr das Gefühl „auf Reisen zu sein“. Endlich wirklich neue Kulturen, Sitten und Lebensarten. Es ist einfach so unglaublich spannend zu sehen wie die Menschen hier leben. Es ist so aufregend und an jeder Straßenecke gibt es was zu entdecken! Ein sonst normaler Fahrtweg wird hier zum Erlebnis. Man starrt aus dem Fenster und ist gefesselt von diesem Land. Ich freue mich so sehr auf die nächsten drei Monate in diesem Land! Denn so lange geht das einfache Visum in Marokko. Es gibt die Möglichkeit zu verlängern oder einmal aus dem Land aus- und wieder einzureisen, doch die drei Monate geben uns sicher schon einen tollen Einblick in Land und Menschen! Ich kann‘s kaum erwarten.

 

Abonniere gerne meinen Blog, um über die neusten Blog-Artikel informiert zu werden und folge mir für noch mehr Content auf Social Media: