Die wunderschöne Algarve – Surftips und Erfahrungen

Arrifana,Sagres, Lagos

Arrifana

Nach einigen regnerischen Tagen erreichten wir Arrifana. Dieser Ort ist auf und regelrecht in die Felsküste Portugals hineingebaut. Wir fuhren die Straßen des Ortes entlang und kamen an einen Stellplatz, von dem man hinab auf den Strandabschnitt, die Wellen und gegenüber auf die beeindruckende Felsküste blicken konnte. Ich fühlte mich sofort wohl! Von großem Tourismus oder riesigen Hotelbunkern war weit und breit nichts zu sehen. Vielmehr Einheimische, einige Camper und Surfer.
Die kleinen Cafés und süßen Restaurants waren so wunderschön eingerichtet. So naturbezogen, mit vielen kleinen Tontöpfen, hellen Farben, tollen Spiegeln und Lampen, aus Bambus geformte Kunstwerke, Trockenblumen und bezauberndem Porzellangeschirr – aus dem der Café doch tausendmal besser schmeckt (Girls, ich glaube, ihr versteht mich!). Draußen nahmen wir in strahlendem Sonnenschein Platz – der nach den andauernden kalten Regentagen soo unglaublich gut tat. 

Café und Restaurant Empfehlung:

  • Sea you Café
  • CAL Arrifana

Anschließend schlenderten wir die Serpentine hinab zum Strand um die Wellen aus der Nähe zu betrachten. Die Häuser entlang dieser Straße waren meist in weißen und blauen Tönen verputzt und machten Arrifana in seiner Erscheinung als Küstenort perfekt. 

Wir waren so froh, dass die Temperaturen endlich wieder wärmer wurden und wir nicht mehr so viel frieren mussten. Das kann auf Dauer wirklich strapazierend sein. Man überlegt sich dann leider zweimal ob man wirklich in den immer noch kalten und nassen Wetsuit schlüpft, um dann bei ungemütlichen Temperaturen in super kaltes Wasser zu gehen. Aber ich muss sagen, wenn man erstmal seinen inneren Kampf hinter sich gebracht hat und sich dafür entscheidet, man es eigentlich nicht bereut. Ist der Wetsuit erstmal angezogen…. Und im Wasser friert man anfangs eher selten, weil man sich viel bewegt und paddelt. Und sobald man die erste Welle hat ist sowieso alles vergessen. Wenn man dann aber raus kommt, sich aus dem Wetsuit schälen muss und einen dann nicht mal eine warme Dusche bzw. eine warme Wohnung erwartet- puh, da muss ich schon ab und an mit mir kämpfen. Aber was tut man nicht alles, für das Gefühl auf einer Welle zu reiten.

Die Wellen waren während unserer Zeit in Arrifana leider nicht gut. Außerdem war erneut ein Sturm angesagt und das merkt man bei der Qualität der Wellen oft als Erstes. Wir wanderten also am Strand entlang und genossen einfach nur das Wetter und die Landschaft. Gegen Abend zogen auch schon wieder dunkle Wolken auf. Doch nach dem Abendessen wollten wir uns gerne noch bewegen und beschlossen, bis auf die Spitze des Dorfes zu wandern. Es war Vollmond und die Welt war beleuchtet, als hätte man weit oben eine riesige Lampe angeknipst. Von oben hatten wir eine wahnsinnig tolle Aussicht und Blick auf die Sterne. Doch ein sehr starker Wind war aufgezogen, lies mystische Geräusche verlauten und pustete uns fast um.

Lagos

Wir hatten überhaupt keine Lust auf weitere Tage Sturm und Regen und entschieden uns, ein ganzes Stück weiter Richtung Lagos zu fahren. Dort sollten die Wellen etwas besser sein und es außerdem Wind aus Westen geben, was für diesen Ort „Offshore“ bedeutet – also perfekt zum Surfen. Wir erreichten einen Stellplatz direkt hinter den Dünen, auf dem sich schon einige Camper breit gemacht hatten. Da ich noch leicht erkältet war, blieb ich aus dem Wasser und erkundigte lieber schon einmal den Ort. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg, über die Brücke beim Hafen, entlang der Promenade am einfließenden kleinen Fluss bis hin zu Lagos‘ Altstadt. Dort hörte ich an jeder Ecke Weihnachtsmusik und die Straßen waren schön geschmückt. Irgendwie ist es doch wirklich was besonderes, Weihnachtsdekoration an Palmen zu sehen und in einem lockeren Pulli bekleidet seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Für mich ist es dieses Jahr das erste Mal „Weihnachten woanders“ und so nahm ich die Eindrücke ganz besonders auf und verglich sie mit meinen sonstigen üblichen Weihnachtszeit-Ritualen. 

Die hügelige Altstadt von Lagos ist wirklich so schön! Durch die alten, bunten Häuser zu schlendern. Einige von ihnen für Portugal typisch komplett mit Fliesen verputzt. In die unterschiedlichsten Läden einzutauchen und sich von dem Charme dieser kleinen Stadt einfach mitzunehmen. Alle Menschen dort waren so unglaublich freundlich zu mir. Leider sollten wir ein paar Stunden später auch die Kehrseite erfahren. Aber dazu gleich mehr. 

Ich genoss den Nachmittag in den kleinen Gassen der verwinkelten Altstadt und trat den Rückweg an, als es schon dunkel war. Da keiner der Camper den Anschein machte, diesen Platz zu verlassen, blieben auch wir die Nacht dort stehen. Um Mitternacht weckten uns schrille Sirenentöne und eine laute, aufbrausende Stimme die in ein Lautsprecher schrie: „This is a protected area! You are not allowed to sleep here! You have to leave immediately! Get off!!“. Sie klopften lautstark an einige Türen und machten sich über einen kleinen Hund, der in einem der Wagen war, lustig – klopften weiter und verunsichtern den Kleinen, bis endlich der Besitzer kam. Die Polizisten waren sehr wütend und gleichzeitig wirkte es, als würde es ihnen gefallen, die Menschen aus ihrem Schlaf zu reißen und fortzuschicken. Obwohl keiner der Leute irgendwelchen Dreck hinterlassen hatte, niemand hatte ein richtiges Camp aufgebaut. Wir alle standen nur da und wollten friedlich übernachten und die Stadt ansehen oder Surfen. Aber natürlich folgten wir den Anweisungen der Polizei und verließen den Platz, genau wie alle anderen. Im Entenmarsch fuhren so gut wie alle auf den nahegelegenen Parkplatz eines großen Supermarktes, bei dem Parken erlaubt war. Dort verbrachten wir dann den Rest dieser schreckhaften Nacht. 

Sagres

Wie gut, dass hier alles ums Eck ist! Der Forecast zeigte tolle Wellen für die südliche Spitze Portugals an und so zog es uns nochmal ein Stückchen zurück Richtung Sagres, was wir uns ja sowieso nochmal ansehen wollten. Die Landschaft hier unten ist einfach so wunderschön und es gibt eigentlich immer surfbare Wellen! Egal aus welcher Richtung der Swell angesagt ist, da Sagres die südwestlichste Landzunge Europas ist, kann von beiden Seiten aus Swell an die Küste kommen. Ist die südliche Seite eher flacher, kann es gut sein, dass die westliche Seite sehr gut läuft und umgekehrt. Ist es an manchen Spots zu groß, sucht man sich einen nahegelegenen mit etwas kleineren Wellen. Man hat hier einfach jede Menge Optionen und zudem sind alle Strände unfassbar schön!

Die Steilküste von Sagres und Umgebung ist irgendwie etwas Besonderes und fasziniert mich immer wieder aufs Neue. In Sagres habe ich mich wirklich irgendwie „woanders“ gefühlt. Vor Sagres gelegen befindet sich auf der Spitze die Festung „Fortaleza de Sagres“. Von dieser breitet sich rechts und links die Steilküste weiter aus. Es überkommt einen irgendwie ein bisschen das Gefühl „am Ende der Welt“ zu sein. Man befindet sich auf einer Art „Podest“ und schaut hinab auf den weiten Ozean. Die Yoga-Sessions die ich an diesen Morgen an der Küste von Sagres hatte, werde ich wohl nie mehr vergessen. Die fließenden, wohltuenden Bewegungen im Einklang mit solch einem Ausblick und der wärmenden Sonne auf der Haut. Diese lies sich nämlich während unseres Aufenthalts wirklich oft blicken, obwohl Gegenteiliges angesagt war. Manchmal darf man auch ein Glückspilz sein! Wenn doch nur jeder Tag so beginnen könnte. Für immer. 

Generell habe ich einfach gemerkt, wie das Einbinden von Yoga in meinen Tagesablauf eine gewisse innere Ruhe in mir aufbaut und fördert. Die Aufmerksamkeit, die man seinem Körper und seinem Geist in dieser Zeit schenkt, dringt bei mir sehr tief ein. Ich war sonst ein sehr hastiger Mensch, der nicht besonders geduldig war (und leider immernoch ist) aber ich spüre, dass sich etwas in meinem Körper tut, wenn ich mir tief drin eine Aufmerksamkeit schenke und nicht über alles hinweg gehe. Wenn ich mit Yoga in den Tag starte, fühlt sich mein Körper den ganzen Tag viel besser und vitaler an. Ich spüre, dass er es mir sofort dankt. An manchen Tagen sind es Yin-Yoga-Videos, die langsamer sind und bei denen es viel um die Dehnung und das Halten geht. An anderen möchte ich meine Muskeln richtig spüren und mache ein Power-Yoga-Kurs, bei dem es viel um den Flow geht und man richtig ins Schwitzen kommt und dessen Übungen man auch am nächsten Tag noch nachspürt. Mir gefällt an diesem Sport einfach, dass man nicht immer powern muss – dass man je nach seiner tagesabhängigen Form Übungen durchführen kann und man sich immer sportlich betätigt hat! Manchmal mehr und manchmal weniger. Und alles ist vollkommen okay. Aber Dehnungen bzw. Low-Impact Bewegungen tun dem Körper aufjedenfall gut! Man stärkt seinen Körper und Geist. Früher habe ich mich immer sehr gedrängt sehr viel Sport zu machen und war wütend auf mich, wenn ich es einmal nicht tat. Damit habe ich auch heute noch zu kämpfen, aber ich spüre, dass ich mir damit nichts Gutes tue. Ich habe gelernt, dass es viel wichtiger ist, gut zu sich selbst zu sein. Gut zu seinem Körper und dessen aktuellen Befindlichkeiten. Viel mehr Akzeptieren als immer in den Schmerz oder dagegen zu arbeiten. Unser Körper sendet uns nicht ohne Grund Signale, bei denen es aber auch extrem wichtig ist, diese zu erkennen und auf sie zu hören. Wir haben schließlich nur einen davon und wenn wir ihn mit unserer Wut immer mehr kaputt machen, bringt das am Ende leider gar nichts. 

Praia do Beliche

Kurz vor Sagres gibt es eine weitere Bucht namens „Praia do Beliche“. Dort konnte man direkt auf der Steilküste parken und einen atemberaubenden Blick genießen. Morgens aufwachen, die Gardine beiseite schieben und auf diese von den frühen Morgenstrahlen der Sonne geküsste Küste blicken – ich werde niemals satt werden davon. 

Unser Tag bestand also aus surfen, sonnen, essen. Einfach nur schön. Und es ist so spannend, welchen unterschiedlichen, interessanten Menschen man auf der Reise begegnet. Kersten berichtete mir abends, dass während er Hugos Heizung reparierte ein Mann auf ihn zukam. Er war mit zwei Hunden unterwegs und bat ihm um etwas Wasser. Im Gegenzug dafür öffnete er seine Tüte in der einige Steinpilze zu finden waren und bot den größten unter ihnen zum Tausch an. Da haben wir es wieder: Diejenigen, die am Wenigsten haben, geben das Meiste. Der Mann war bereits seit unglaublichen 5000 Kilometern zu Fuß unterwegs! Er trug all sein Hab und Gut mit sich. In Anbetracht dessen, konnte Kersten den größten Pilz einfach nicht annehmen – der Mann hatte ja selbst schon wirklich wenig, freiwillig – aber trotzdem. Aber gegen einen etwas kleineren Pilz konnte er nichts einwenden und nahm ihn dankend an. Diesen konnten wir am Abend in der Pfanne genießen. Zuerst waren wir etwas skeptisch und googelten vorher nochmal, aber er stellte sich als ein super leckerer Wald-Champignon heraus.

Ceramica Paraíso – der perfekte Name für den schönsten Porzellanladen

Kurz vor unserem endgültigen Aufbruch aus Sagres, machten wir Halt bei dem wohl schönsten und größten Porzellanladen „Ceramica Paraíso“, den ich je besucht habe. An der Außenfront des Ladens war bereits alles mit Porzellantellern und -töpfen beklebt und machte schon ziemlich was her.

In dem Inneren wimmelte es von wunderschönem Geschirr, Tassen und Töpfen in allen möglichen Farben und Formen. Einige Touristen tummelten sich und berieten, welche der Tassen nun die beste für Oma Zuhause als Weihnachtsgeschenk dienen würde. Klar, dass ich auch zugreifen mussten…auch wenn wir nicht viel Platz im Hugo haben, mussten zwei Tassen und ein Teller – der aussah, als wäre dort ein Strand und Wellenbrandung zu sehen – unbedingt mit ins Gepäck! Jetzt müssen diese nur noch die weitere Reise überstehen. Toitoitoi, dass die Buckelpisten-Straßen nicht zur deren Endgegner werden.

Lagos

Zurück in Lagos. Diesmal fuhren wir einen anderen Strand an „Praia do Porto Mós“. Dort konnten wir nicht übernachten, aber kamen zum Sonnenaufgang direkt dort an, packten die Yoga Matte unter den Arm und gingen direkt an den Sandstrand.

Am Ende des Online-Kurses sagte die Trainerin „…und nun schenkt euch selbst, euren Mitmenschen und dem heutigen Tag ein Lächeln.“ Komischerweise zogen genau in diesen Minuten dunkle Wolken auf und es wurde ungemütlich. Kein Schimmer mehr von sonnigem Morgen. Da tun wir schonmal was für Körper und Geist, Lächeln so breit es geht und dann spielt das Wetter trotzdem einfach nicht mehr mit. Vielleicht haben wir falsch gelächelt? Was ’ne Frechheit. Der ganze Tag sollte dann leider sehr durchwachsen bleiben. Und das Aprilwetter holte uns auch am Abend nochmal ein, als wir beschlossen, den Wanderweg entlang der Steilküste bis nach Praia de Luz zu laufen. Hinzugs war’s wieder schön sonnig und wir entdeckten einige Pilze und Sukkulenten am Wegesrand. Sobald man sich direkt an den Steilhang stellte und hinab auf den Strand und die Wellen blickte wurde einem ziemlich mulmig zumute – also schnell weiter. Auf der Spitze vor Luz angekommen sahen wir schon die dunkle Wolken-Front am Horizont aufziehen. Also machten wir nach gut 1,5 Stunden kehrt. Der Regen erwischte uns auf der Hälfte der Strecke und wir rannten pitschnass nach Hause. Ziemlich lustig aber auch ziemlich kalt. Den Wanderweg kann ich trotzdem sehr empfehlen!

Außerdem konnten wir uns aus der Höhe einen Einblick in die Höhlen von Lagos erhaschen. Der Wanderweg am Leuchtturm bietet wirklich einen atemberaubenden Blick auf Küste und Höhlen! Wir spazierten am Leuchtturm von Faro entlang, wo man immer wieder tief in die Schluchten blicken konnte. Die unterirdischen Höhlen – welche bei Ebbe besser als bei Flut zu sehen sind. In ganz Lagos ist Werbung für Bootstouren durch diese Höhlen zu sehen, welche aber scheinbar eher in der Hochsaison, im Sommer laufen.

Portugal und besonders der südliche, beschrieben Teil hat uns wirklich in seinen Bann gerissen. Wir hielten uns hier lange auf, genossen die Landschaft, die Wellen und die Atmosphäre. Wir kommen definitiv hier her zurück!

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