Das Surferparadies Hossegor

Hossegor ist DAS Mekka der Surfer in Europa. Wir haben uns lange danach gesehnt, hierher zu kommen. Mit eigenen Augen zu sehen, was dieser Ort zu bieten hat. Und wie sich herausstellte: Jede Menge!

Instagram Seiten wie Magic Seaweed oder Surfline posten oft beeindruckende Videos und Bilder von diesem Ort. Auch die World Surf League macht hier jedes Jahr im Rahmen ihres Worldcups einen Stopp. Und diese Magie nun selbst spüren zu können, dass es mir möglich ist, in der Wellen-Hochsaison hier zu sein, darauf habe ich mich so gefreut.

Bereits an unserem Ankunftstag explodierten die Wellen regelrecht an der Küste. Die Barrels, die direkt am Strand brachen, zogen mit ihren Wassermengen den Sand und die kleinen Steinchen zurück ins Meer und verschlungen sie regelrecht. Und genau so hörte es sich auch an. Es hemmerte wenn die Welle brach und die Steinchen prasselten derart laut, dass man sich kaum verstehen konnte.

Wir liefen von Seignosse am Plage des Bourdaines und dem Strandabschnitt La Gaviere entlang, bis zum bekanntesten Hauptspot „La Nord“ am Plage Centrale. Dort war ich schon extrem beeindruckt von den Surfern, die diese steilbrechenden Wellen nahmen. Und besonders von den Mädels, die scheinbar ohne Furcht in den männerdominierenden Spot und die heftigen Wellen eintauchten. Auf dem Wasser ging es heiß her und man gab alles, um in die Welle zu kommen. Die Stimmung war rau und aggressiv. Das bemerkte ich auch, als ich zusah, wie ein Jugendlicher einem etwas Jüngeren in die Welle droppte – ihm diese also „stahl“ – und dieser danach komplett ausrastete. Als sie beide aus dem Wasser kamen, stapfte der Jüngere auf den Älteren zu und schrie ihn auf französisch und deutlich verärgert an. Und obwohl er kleiner war, stumpte er ihn und man sah, dass er sich gerne geprügelt hätte. Doch dann kamen weitere hinzu und hielten die beiden voneinander ab, bis beide ihre Wege gingen.

Wir gingen weiter zum direkt daneben liegenden Surfspot „La Sud„, wo die Wellen etwas harmloser und nicht ganz so steil brachen. Kersten und Roman (ein Freund, der uns ab jetzt auf der Reise begleiten wird) schnappten sich ihr Board und gingen ins Wasser, während ich Fotos schoss und Videos machte.

Mein Mexiko-Wellen-Trauma

Nach meinem kleinen Trauma, dass ich in Mexiko erleben musste, habe ich sehr großen Respekt vor solchen Wellen. Damals waren wir mit ein paar Leuten im Line-Up und die Wellen waren zwar nicht extrem klein, aber dennoch in Ordnung für mich. Zu der Zeit schaute ich ohnehin noch mehr zu, als mich wirklich in die heiße Zone zu stellen, wo die Welle brach. Ich hatte einfach zu großen Respekt; vor den Wellen, vor den Locals und generell allen Anwesenden im Wasser. Mir war bewusst, dass jeder von ihnen besser war und ich keine Chance gegen sie hatte, wenn sie gemeinsam mit mir eine Welle anpaddelten.

Und plötzlich passierte etwas, dass immer mal wieder vorkommt und es nicht wirklich vorhersehbar ist: Es kam ein größeres Set von 3 Meter Wellen. Sets bestehen meistens aus drei bis sieben Wellen, die etwa die gleiche Größe haben und auch ungefähr die gleiche Kraft.

Eigentlich hatte ich vorher schon rausgepaddelt, um nicht von den Wellen gepackt zu werden. Doch bei diesem großen Set, brachen die Wellen aufgrund der höheren Größe bereits etwas früher und ich stand genau im Bruch der Welle. Mich erwischte es als vom feinsten. Die Lippe knallte auf mich und zog mich in die Waschmaschine. Ich wurde derart durchgewirbelt, dass ich nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Die Wassermengen drückten mich hinunter. Ich kam wieder zurück an die Oberfläche, blickte nach hinten und sah das nächste Monster auf mich zurollen. Es brach wieder genau auf mir und drückte mich zu Boden. Ich geriet in Panik und merkte, dass ich mit meiner Energie und mit meiner Luft nicht gut haushalten konnte. Als die nächste Welle auf mir brach wurde ich unter Wasser ohnmächtig. Aber wohl nur für eine kurze Zeit, denn ich merkte einen dumpfen Schlag auf meinen Kopf. Es war vermutlich mein Surfboard, dass mich wieder zurückholte. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich so schnell wie möglich wieder an die Oberfläche kommen musste. Mir kamen Kerstens Worte in den Sinn, dass man sich in so einem Moment am besten treiben lassen und keinesfalls gegen das Wasser anpaddeln sollte. So spart man wenigstens etwas Energie und kommt durch den Auftrieb sowieso wieder an die Oberfläche. Also tat ich das. Ich lies mich treiben.

Oben angekommen erwartete mich noch eine letzte Welle. Ich blickte nach links und nach rechts. Sah meine Freunde. Sah, wie diejenigen, die rechts standen, durch die bereits gebrochene Welle hindurch tauchten und diejenigen, die links standen, über sie hinweg paddelten. Nur mich Anfängerin traf es am heftigsten. Auch ein Hilferuf brachte in diesem Moment nichts. Denn wer oder besser gesagt wie hätte man mir helfen sollen? Alle hatten genug mit sich selbst zu tun, um nicht auch das gleiche wie ich zu erleben. Also machte ich mich – so gut es denn ging – bereit für den nächsten Stark-Schleudergang, sog all die Luft ein, wie es mir in diesem Moment möglich war und tauchte erneut ab.

Danach war das Set vorbei. Gott sei Dank.

Doch leider sollte das noch nicht alles gewesen sein. Ich schmiss mich auf mein Board und versuchte mich von dem Weißwasser der letzten Welle nach vorne tragen zu lassen. Das gelang mir auch ganz gut aber ich landete genau da, wo der Backwash am stärksten war. Backwash bedeutet die Rückströmung der vorangegangen Welle. Bricht also eine Welle und gelangt zum Strand so läuft sie ja zuerst den Strand hinauf und zieht sich dann wieder zurück. Geschieht das mit einer größeren Welle oder an einem Hang, zieht einen das Wasser wieder extrem zurück ins Meer. Trifft dann noch eine Welle vom Meer auf den Strand und eben genau auf diese rückströmende Welle, so bauen diese sich gemeinsam zu einer regelrechten Spitze auf. Und genau in dieser Spitze landete ich. Ich flog also richtig in die Luft und wusste nicht, wie ich mich aus diesem Spot befreien sollte. Denn, wenn ich Richtung Strand paddelte, zog mich die Backwash-Welle zurück, wieder direkt in die Arme der ankommenden Welle und lies mich erneut in die Lüfte hüpfen.

Es waren also wirklich nur noch wenige Meter zum Strand. Mein fester Untergrund war zum greifen nah und dennoch konnte ich mich einfach nicht befreien und auf ihn zu paddeln. Ich schrie und weinte, weil ich einfach von Panik eingenommen und kraftlos war. Alles drehte sich. Mir war schwindelig und ich wollte doch einfach nur raus.

Irgendwie gelang es mir, mich aus dem Backwash-Gefängnis zu befreien und ich erreichte vollkommen aufgewühlt und erledigt den Strand.

Es war unser vorletzter Tag in Mexiko und ich wusste in dem Moment, dass ich am nächsten Tag erneut unbedingt wieder ins Wasser gehen müsste, um mein Trauma direkt zu bekämpfen. Mir war klar, dass ich sonst nie wieder surfen würde, wenn das die letzte Erinnerung bleiben würde.

Also überlasse ich aktuell die großen Wellen den anderen und habe lieber meinen Spaß mit den etwas kleineren. Vielleicht bin ich irgendwann wieder soweit um mich in größere zu trauen, aber aktuell kann ich solch eine beängstigende Wellen-Action wirklich nicht gebrauchen. Allein schon meinen Haaren zu Liebe, die diese Turbulenzen wie damals sicher nicht mitmachen würden.

Übernachten in Hossegor

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz nähe des Strandabschnitts „La Graviere“. In der Mitte unserer Vans breiteten wir Romans externe Küche aus und kochten uns was Leckeres. Die Jungs zückten im Laufe des Abends ihre Gitarren, spielten schöne Melodien und ich sang ab und an dazu. Wir standen auf einem einfachen Parkplatz, waren dennoch so happy und genossen unsere Gesellschaft.

Da es nicht viele Möglichkeiten des kostenlosen Freistehens gab, entschlossen wir uns, auf einen kostenpflichtigen Wohnmobil-Parkplatz „Aire de camping-cars Capbreton“ direkt am Strandabschnitt „Plage des Océanides“ zu fahren. Der genaue Standpunkt ist weiter unten in der Map gekennzeichnet.

Dort geht morgens und abends ein Kassenwart um und kassiert ein. Die unterschiedlichen Kosten der Saisons habe ich hier aufgeführt:

  • Von Dezember bis Februar 8,50€
  • März, April, Oktober 10,50€
  • Mai, Juni, September 12,50€
  • 1.-15. Juli 14€
  • 16. Juli -31. August 14,50€

Da wir im Oktober da waren, zahlten wir also 10,50€ für einen Stellplatz mit WLAN und einer Toilette. Außerdem kommt jeden morgen ein Bäckerwagen vorbei, der frische Brötchen und Baguette bringt. Minuspunkt: Es könnten für die große Anzahl an Stellplätzen etwas mehr Toiletten und auch eine Dusche vorhanden sein. Aber dennoch waren wir sehr zufrieden und blieben einige Tage auf diesem Platz.

Die wunderschönsten Sonnenuntergänge

An diesem Platz konnte man fast jeden Tag einen atemberaubenden Sonnenuntergang bestaunen, bei dessen Anblick man sich der Schönheit dieser Erde jedesmal aufs Neue bewusst wurde. Wie Pilger steuerten die Menschen jeden Abend an die Spitze der Düne, um von dort den besten Ausblick auf die links gelegenen Pyrenäen und den Sonnenuntergang am Horizont des Meeres zu erhaschen.

Um die Vorhersage des Swells und die Größe der Wellen einzuschätzen, nutzen wir die App Magic Seaweed. Dort ist der Spot als „Capbreton (La Piste/VVF)“ eingezeichnet.

Eintauchen in die marokkanische Küche

Auf dem Platz lernten wir schnell viele neue Leute kennen, die alle so lebensfroh und entspannt waren. Zwei davon waren ein französisches Pärchen. Er kam ursprünglich aus Marokko und erzählte uns, wie toll sein Heimatland sei. Was für wahnsinnig schöne Surfspots es da gäbe und das wir es unbedingt mit eigenen Augen sehen sollten. Wir markierten uns alle Orte, sodass wir auf unserer späteren Reise all diese Plätze, Buchten und Strände besuchen können.

Er erzählte uns auch von einem Fischmarkt, direkt am Hafen in Hossegor. Die Jungs machten sich also mit dem Roller auf den Weg, um frischen Fisch für das Grillen am Abend zu besorgen. Außerdem zauberte der Marokkaner eine wunderbare Tajine und lud uns dazu ein.

Ich hätte mich hineinlegen können. Er verwendete eine ganz spezielle „hubbelige“ Limone, die Kaffir Limette oder auch Kaffernlimette, die ich vorher nur in Thailand geschmeckt und gerochen hatte. Sie riecht außerordentlich stark aromatisch und durchdringend zitronenähnlich. Der Geschmack war in der Tajine, die er mit Fisch, Kartoffeln, Paprika und Karotten zubereitet hatte, sehr stark zu schmecken. Es war himmlisch. All die Gewürze und dann noch der erfrischende Geschmack der Limette.

Eins steht aufjedenfall fest: Wenn wir in Marokko sind, lege ich mir definitiv eine Tajine zu und decke mich mit Gewürzen und dieser Limettenart ein!

Frischer Fisch vom Markt

Doch auch unsere, in Zitrone, Gewürzen und Knoblauch eingelegte Thunfischfilets und die gefüllten Doraden konnten definitiv mithalten! Dazu gab es gegrillte Antipasti, Reis und veganen Tzatziki. Auch wir luden den Marokkaner, seine Freundin und deren Freunde zu uns ein. So wurde es ein regelrechtes Festmahl an 3 Campingtischen, mit drei Sprachen, viel Appetit und Lachen.

Riesiger Swell erreichte die Küste

In den Tagen unseres Aufenthalts erreichte ein großer Swell von etwa 3 Metern die Küste. Da vor Hossegor ein langgezogener Tiefseegraben gelegen ist, türmen sich die Wellen hier besonders hoch auf. Man kann diesen tiefen Graben auf Satellitenbildern sehr gut sehen. Das ist vergleichbar mit Nazaré, das berühmt für seine 30 Meter Riesenwellen ist. Dort befindet sich der Nazaré Canyon, ein Tiefseegraben mit einer maximalen Tiefe von 5000 Metern und einer Länge von circa 230 km.

Für mich waren die Wellen natürlich viel zu groß zum surfen, aber wahnsinnig aufregend zuzusehen. Kersten war aufgeregt wie ein kleines Kind und konnte es kaum abwarten, sich bei unserem Spot – wo die Wellen ein wenig kleiner brachen – in die Wellen zu stürzen. Aufwachen, rein in den Wetsuit und ab ins Wasser. Es ist bemerkenswert, wie furchtlos er diesen Sport angeht.

Abends bewunderten wir dann die Monsterwellen etwas weiter nördlich, am Spot „La Nord“. Es war unglaublich. Leute kamen mit gebrochenen Guns – also Boards, deren Shape extra für solch große Wellen ausgerichtet sind – aus dem Wasser. Kein Wunder, denn wenn solch ein Monster mit all den Wassermassen direkt auf dem Board bricht, hält dem nichts stand und es knackt einfach durch. Das zeigt, welch eine Kraft hinter dieser Naturgewalt steckt.


Jetskis waren im Wasser unterwegs, um Leute aus den Wellen heraus oder sie hineinzuziehen. Es war wirklich ein Spektakel. Die Leute am Strand jubelten den gigantischen Wellen und den Surfern zu und konnten kaum glauben, was da draußen gerade abging.

Der Surfer Lifestyle

…ist in der ganzen Stadt zu spüren. Im Zentrum findet man all die nennenswerten Surfer- und Skater-Marken wie RipCurl, Roxy, Quicksilver, RVCA und Volcom. Die haben hier ganz nebenbei auch ihr Hauptquartier. Auch die ganzen Boutiquen, Bars, Cafés und Restaurants in der Haupt-Einkaufsstraße spiegeln allesamt den Surfer Lifestyle wieder. In Naturtönen gestaltet, mit viel Makramé, Muscheln und Wellenfotos geschmückt.

Auch die Menschen strahlen mit ihrer Coolness. Die Männer mit verstrubbelten Haaren – wie frisch aus dem Meer, coolen Klamotten, leicht gerötete Augen vom Salzwasser und einen etwas müden, aber sehr zufriedenen Blick. Und wenn sie nicht extrem lässig durch die Straßen schlendern, cruisen sie mit ihren Longboards oder zeigen ihre Surf-Moves auf dem Surfskate. Überall kommen einem kleine Jungs mit super blonden Haaren, von der Sonne gebräunt und einem Neoprenabdruck am Hals – vom vielen Surfen – entgegen. Einfach so cool. Klar, dass die kleinen Mädels nur so um sie herum sprangen.

Ähnliches gilt natürlich für all die extrem gut aussehenden Girls. Faszinierend, was die Sonne und das Salzwasser mit den Menschen macht. Sie strahlen einfach. Es verleiht ihnen einen Glanz, wie es wohl schwer etwas anderes schafft. Da kann kein Make-Up mithalten Leute. Es scheint, als wäre jeder Mensch an diesem Ort ne Sportskanone oder achtet zumindest sehr auf sein Äußeres.
Klar, dass das „Sehen & Gesehen werden“ spürbar eine große Rolle spielt. Das ist mir bereits an unserem Ankunftstag am Plage Central aufgefallen. Dort rekelten sich die Damen in ihren Bikinis und stolzierten stolz am Strand entlang. Dass auch ja all die Surfer mitbekommen, dass sie auch hier sind. Aber auch die Herren machten sich gut sichtbar vor ihrer Surfsession mit einigen Stretching Übungen warm und schauten nach links und rechts, um zu checken, ob das, was sie da taten auch wahrgenommen wird. Eben einfach ’n Place to be. Das Profilieren vor anderen gefällt mir zwar nicht, aber durch die Gassen der Stadt zu schlendern und das allgemeine Feeling zu spüren war wirklich toll.

Das allerbeste Eis gab es bei „Glaces Romane„! Ich habe noch nirgendwo zuvor meine Lieblingssorte Pistazie in veganer Form gesehen, aber hier wurde ich endlich fündig. Pistazie und die Sorte Café sind aufjedenfall soooo zu empfehlen!

Hossegor ist einfach zum Surfen und Skaten ausgerichtet. Es besitzt einen riesigen, überdachten Skatepark, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Hier können die Kleinsten schon die größten Tricks.
Eines Abends besuchten wir einen Skate-Contest, an dem Oldschool HipHop-Sounds gespielt wurden und Skater von jung bis alt ihr Können zeigten. Bewundernswert wie angstfrei die kleinen Jungs auf eine Halfpipe zufahren und ihre Tricks zum Besten geben. Surf- und Skate-Contests finden hier so gut wie jede Woche statt.

Also: in Hossegor gibt’s wirklich immer was zu sehen! Und es wird ganz bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich zu diesem Ort reise.
Ich frage mich, in wie viele Orte ich mich auf dieser Reise wohl noch verlieben werde… 🙂

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