Bordeaux, du bezaubernde Stadt

Wir machten aufgrund von kälter werdenden Tagen und schlechten Wellen, einen größeren Sprung von Quiberon nach Bordeaux.

Schon der Name Bordeaux klingt wie Musik, oder? Nicht nur die gleichnamige Farbe ist meiner Meinung nach wunderschön, auch die Stadt ist ein französischer Traum. Paris hat mein Herz schon berührt, doch Bordeaux hat meine Liebe fast noch ein wenig mehr entfacht. Vielleicht beruht dieses Gefühl auch darauf, dass wir diesmal keine kalten Regentage hatten, sondern mit Sonnenschein beglückt wurden.

Wir standen während unseres Besuchs auf einem, etwas außerhalb des Zentrums, in einer Wohngegend gelegenen Stellplatz. Dieser war auf Park4Night als sicher beschrieben und wir wollten Hugo in einer Stadt wie Bordeaux, bei der die Kriminalitätsrate relativ hoch ist, nicht mitten in der Stadt abstellen.

Unsere Erkundungstour machten wir dann mit dem Roller.

Diese Stadt ist wirklich übersäht mit prachtvollen Bauten und wunderschönen, alten Häusern. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen lassen einen in eine andere Welt tauchen. Irgendwie ticken die Uhren dort anders. Langsamer.

Eintauchen in den romantischen Charme

Obwohl diese Stadt sehr groß ist, spürt man von der Hektik – die in Paris so sehr herrschte – kaum etwas. Das Schlendern durch die Gassen, das Bestaunen der Architektur, die Detailsverliebtheit dieser Stadt lassen einen richtig runterkommen. Viele der Häuser besitzen kleine Balkone, die mit Blumen und Pflanzen bestückt sind und die sogenannten „Petit Cafés“ geben dieser Stadt diesen wunderbaren französischen Charme. Lediglich in den von Läden gesäumten Straßen herrschte mehr Trubel. Auf den folgenden Bildern bekommt man einen Eindruck des Stadtbilds:

Wie wir so durch eine dieser volleren Straßen liefen, passierten zwei Dinge, die ich zuvor noch nie erlebt hatte. Ich blieb kurz alleine am Rand stehen, um auf Kersten zu warten, der einem Rollstuhlfahrer gerade einen Gefallen tat. Dieser konnte wohl nicht richtig reden und machte mit Lauten irgendwie auf sich aufmerksam um zu signalisieren, dass er an einen anderen Ort gebracht werden möchte. Und so schob Kersten ihn. Und schob. Und schob. Bis der alte Herr zufrieden war und Kersten zu mir zurück kommen konnte.

Eine Begegnung, die ich so schnell wohl nicht vergessen werde

Während ich so wartete und das Treiben der Menschen beobachtete, sah ich neben mir eine arme Frau gemeinsam mit ihrem Kind auf dem Boden sitzen. Vor ihr stand eine gut gefüllte Papiertüte voller Essen. Wahrscheinlich wurde ihr das Essen geschenkt oder sie hatte es sich von dem wenigen Geld, das sie zu besitzen schien, gekauft. Sie versuchte das Kind zu füttern, doch es wollte nicht mehr. So packte sie den Falafel-Wrap wieder in seine Hülle ein und schaute zeitgleich zu mir hoch. Sie lächelte mich an und hob dabei den Wrap in die Luft: „Madame?“ Sie bot mir ihr Essen an als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Ich bekam Gänsehaut. Ich verneinte und bedankte mich bei ihr. Dann griff sie erneut in die Tüte und zog eine Banane heraus. Sie schaute mich erneut mit einem fragenden Blick an und bot mir auch noch die Banane an. Vielleicht mochte ich diese ja lieber essen. Erneut verneinte und bedankte ich mich sehr gerührt. Das brachte mich zum Nachdenken. Wie unglaublich war das? Sie und ihr Sohn hatten genug gegessen und so wollte sie es gerne verschenken. Die Menschen, die wirklich am allerwenigsten haben, teilen selbst das noch. Sie teilen sogar mit Menschen, die sie überhaupt nicht kennen. Und die Reichsten dieser Welt wollen immer mehr Geld und sind gierig nach Macht – an Teilen denken die meisten von ihnen wohl als Allerletztes. Was ein trauriger Blick auf die Menschheit..

Die Skater am Miroir d’eau

Wir stärkten uns bei einem Italiener und spazierten weiter Richtung Place de la Bourse, dessen eigentliche Attraktion der davor liegende Miroir d’eau ist. Dies ist ein sogenannter Wasserspiegel, der den dahinter liegenden Platz in seiner 3450 qm großen Wasseroberfläche reflektieren lässt. Was, besonders im Dunkeln ein wirklich toller Anblick ist. Aber auch am Tage, wenn der blaue Himmel sich im Wasser spiegelt, lässt der Anblick einen träumen.

Viele nehmen diesen Platz als regelrechtes Spieleparadies war. Kinder toben, anderen tanzen darin, während das Wasser an den Seiten ihrer Füße nach oben spritzt. Es scheint sogar ein richtiges „Ding“ zu sein, durch diese Wasseroberfläche hindurch zu rutschen. Denn das taten einige.

Während wir so auf den Treppen mit dem Blick auf die Garonne saßen bemerkten wir Unruhe hinter uns. Eine große Traube an Jugendlichen hatte sich dort versammelt. Es schien eine Schulklasse oder ähnliches gewesen zu sein. Sie legten sich zuerst alle auf den Boden. Kopf an Fuß, sodass eine lange Kette entlang des Wasserspiegels entstand. Einer aus der Gruppe zählte von 3 runter und plötzlich kullerten alle los. Sie rollten einfach alle mitsamt ihrer Kleidung durch das spiegelnde Wasser. Es war eine Art „Wettrollen“: Wer zuerst auf der anderen Seite ist. Es war so schön und lustig zugleich, diese Lebensfreude der Menschen zu spüren. Alle drum herum konnten nicht anders als zu lachen und den jungen Leuten zu applaudieren, wir inbegriffen.

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